7 Gründe für Dankbarkeit – auch in der Depression

Je dankbarer du bist, desto mehr wirst du finden, wofür du dankbar sein kannst.

Als Einleitung erzähle ich mal eine kurze Geschichte. Dieses Frühjahr war ich gemeinsam mit einer Freundin für ein paar Tage in Rom. An unserem zweiten Tag habe ich dort einen Schnappschuss von einer Straße gemacht. Einen Tag später: noch eine Foto, noch eine Straße (Ja, diese Stadt ist einfach zu wunderschön um nicht ständig alle Straßen und Gassen zu fotografieren!). Und von meinen wahnsinnig tollen Smartphone-Fotografiekünsten mal abgesehen, fällt euch an diesen Bildern etwas auf? Es gibt eine ganz bestimmte Gemeinsamkeit, auf die ich hinauswill.

Die Lösung: auf beiden Bildern sind gelbe Autos zu sehen. Während dieses Kurztrips ist mir etwas aufgefallen: von dem Moment an, in dem ich angefangen habe auf gelbe Autos zu achten, habe ich sie gefühlt an jeder Straßenecke gesehen. Und falls ihr in eurem Alltag mal die Augen offen haltet, bin ich mir sicher, dass ihr auch mehr gelbe Autos sehen werdet, als ihr vielleicht erwartet! Und das ist etwas, das ein Artikel des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Inc.com als „Yellow Car Phenomenon“ bezeichnet: Je mehr man sich auf etwas Bestimmtes fokussiert, desto mehr wird man davon sehen. Das können gelbe Autos sein, aber auch negative oder positive Erlebnisse oder eben Dankbarkeit.

Ich glaube wir kennen das alle, manchmal hat man einfach einen schlechten Lauf und es passieren lauter negative Dinge hintereinander. Zuerst geht die Spülmaschine kaputt, dann kriegt man obendrauf noch eine fiese Erkältung, die Lieblingshose reißt plötzlich, und dann hat man noch einen riesigen Streit mit seinem Partner oder seiner Partnerin. Man fühlt sich beinahe wie ein Magnet, der alle Negativität in der Umgebung anzieht. Und so ist es auch ein bisschen, denn je mehr man sich auf die schlechten Dinge konzentriert, desto mehr schlechte Dinge widerfahren einem leider auch oft (siehe Yellow Car Phenomenon). Aber rückschließend müsste das ja auch bedeuten, je mehr man sich auf die guten Dinge fokussiert, desto mehr Gutes passiert einem. Und, um zurück zu meinem Eingangszitat zu kommen:

Je dankbarer man ist, desto mehr wird man finden, wofür man dankbar sein kann.

Da ich euch nicht mit den Inhalten diverser Studien langweilen will, die besagen wie gut Dankbarkeit für die mentale und physische Gesundheit ist (wer sich dafür interessiert kann aber beispielsweise hier, hier, oder hier etwas darüber nachlesen), gebe ich euch lieber eine kompakte Liste von Dankbarkeitsvorteilen:

Sie verändert nachhaltig die Sichtweise

Wie das Yellow Car Phenomenon besagt, kann Dankbarkeit auch wie eine Art self-fulfilling prophecy funktionieren. Ich sage mir, dass ich dankbar bin, und dann werde ich automatisch immer dankbarer. Man kann es sich ein bisschen so vorstellen, wie die rosarote Brille, wenn man frisch verleibt ist. Wenn man einen Menschen durch diese Brille betrachtet, dann rücken die Dinge, die man an dieser Person schätzt, total in den Vordergrund und alles, was man möglicherweise nicht so toll findet, nimmt man kaum wahr. Und so ähnlich funktioniert es auch mit Dankbarkeit. Setzt man die Dankbarkeits-Brille auf, so sieht man plötzlich die Dinge, die im eigenen Leben gut sind, viel klarer und stärker, und alles, was nicht so perfekt läuft ist zwar auch immer noch da, aber steht nicht mehr im Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit. Und das ist eine Sichtweise, die man trainieren kann. Indem man sich immer wieder bewusst vor Augen führt, wofür man alles dankbar sein kann, verändert sich nachhaltig der Blick auf die Welt und man wird immer mehr Dinge sehen, für die man Dankbarkeit verspürt. Wie ein Teufelskreis, nur positiv. Also quasi ein Engelskreis. Oder so. (Ja, ich kann auch lustig sein!)

Sie ist wirkungsvoll gegen Depressionen

Depressionen sind unter anderem auch von einem besonders hoffnungslosen Ausblick auf das Leben geprägt. Da Dankbarkeit aber eben diese Sichtweise positiv beeinflusst, wie ich eben erklärt habe, mindert sie auch ein signifikantes Symptom von Depressionen. Aber nicht nur das, dankbar sein kurbelt auch die Produktion von Serotonin und Dopamin an, das sind zwei wichtige Botenstoffe, von denen bei einer Depression zu wenige im Gehirn vorkommen. Dadurch bekämpft Dankbarkeit also auch die neurologische Ursache einer Depression.

Sie bringt mehr Vitalität, Energie und Tatendrang

Dankbarkeit ist eine Tugend, die sehr kraftvoll ist und viel Energie mit sich bringt. Während traurige Gedanken einen im wahrsten Sinne des Wortes runterziehen, schaffen Gedanken der Dankbarkeit genau das Gegenteil: Sie sind eine Energiequelle für Kopf und Körper. Und je mehr dankbare Gedanken man hat, desto weniger Zeit hat man für negative Gedanken und desto mehr finden Vitalität, Energie und Tatendrang in dein Leben zurück.

Sie sorgt für weniger Stress

Wer dankbar ist und das, was man im Leben hat zu schätzen weiß, der lässt sich auch von stressigen Situationen oder kleinen Hindernissen weniger aus der Bahn werfen. Warum ist das so? Weil Dankbarkeit einen stets an das große Ganze, an das big picture erinnert, und so Alltagsprobleme automatisch in Perspektive rückt. Außerdem sinkt allein durch Dankbarkeit der Cortisolspiegel (Cortisol = Stresshormon) im Körper um bis zu 23%.

Sie verbessert die Schlafqualität

Wer gestresst ist, schläft schlecht. Das altbekannte Gedankenkarussel dreht sich ununterbrochen weiter und hindert den Körper daran den Ruhezustand zu erreichen, den er für einen erholsamen Schlaf braucht. Indem Dankbarkeit also Stress reduziert, stärkt sie gleichzeitig auch die Schlafqualität. Wer sich vor allem abends nochmal kurz auf die positiven Momente des Tages besinnt, kann eher negative Gedankenkreise unterbrechen und somit besser ein- und durchschlafen, die für den Körper wichtigen Tiefschlafphasen mitnehmen und am nächsten Morgen gesund und erholt in den Tag starten.

Sie reduziert körperliche Schmerzen

Dass Dankbarkeit emotionalen Schmerz lindert, das ist (für mich zumindest) nicht so abwegig. Aber wusstet ihr, dass sie auch einen Einfluss auf körperliche Schmerzen hat? Das liegt daran, dass unsere Schmerzen nicht „absolut“ sind. Unser Schmerzempfinden ist zu einem gewissen Teil relativ und situationsbedingt und lässt sich stark durch die Psyche beeinflussen. Vielleicht habt ihr das ja auch schon mal beobachtet: Je mehr man sich auf eine schmerzende Stelle am Körper fokussiert, desto präsenter und stärker wirkt der Schmerz. Und hier kommt die Dankbarkeit ins Spiel, denn sie ändert die Perspektive, lenkt den Fokus auf positive Dinge und gibt dem Körper damit weniger Raum für das Wahrnehmen von anderen Dingen, wie z.B. körperlichem Schmerz. Natürlich funktioniert das nur bis zu einem gewissen Grad, aber vielleicht ist es euch ja beim nächsten Mal einen Versuch wert.

Sie ist gut für’s Herz

Dankbarkeit senkt die Entzündungswerte im Blut, die im Zusammenhang mit Herzkrankheiten stehen und stärkt die Herzratenvariabilität. Für alle, die mit dem Begriff Herzratenvariabilität nicht vertraut sind (so wie ich bis vor wenigen Minuten), hier eine kurze Erklärung: Das menschliche Herz schlägt nicht immer gleich schnell, sondern wird vom autonomen Nervensystem (das z.B. für die Atmung, Verdauung und den Stoffwechsel zuständig ist) gesteuert. Die Herzratenvariabilität, also die Fähigkeit des Herzens seine Frequenz zu variieren, ist ein Zeichen eines gesunden Herzens. Ist sie allerdings gering, ist das ein Indikator für eine Koronare Herzkrankheit und es wurde mittlerweile sogar gezeigt, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Niedrigkeit der Herzratenvariabilität-Werte und der Schwere der Erkrankung besteht. Im Grunde hilft Dankbarkeit also, das eigene Risiko an Herzkrankheiten zu erkranken zu senken.

So, jetzt bleibt noch die Frage: Wie kann ich am meisten von meiner Dankbarkeit profitieren?

Es gibt mittlerweile Tagebücher, die speziell darauf ausgelegt sind, Dankbarkeit festzuhalten und zu fördern. Eine Zeit lang habe ich auch eine Gratitude App benutzt, dort konnte ich es jeden Tag, immer dann, wenn etwas passiert ist wofür ich dankbar war, sofort notieren. Mittlerweile habe ich es mir aber einfach angewöhnt abends, vor dem Schlafen wenn ich schon im Bett liege und das Licht aus ist, meinen ganzen Tag in Gedanken durchzugehen und mir jede Kleinigkeit, für die ich dankbar sein könnte, in Erinnerung zu rufen.

Und ich weiß, gerade wenn man unter Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten leidet fällt es einem manchmal extrem schwer, etwas zu finden, wofür man dankbar sein kann. An manchen Tagen ist es nahezu unmöglich. Als ich mit diesen Dankbarkeitsübungen angefangen habe, hatte ich teilweise nur eine Sache, für die ich dankbar war: dass der Tag endlich vorbei war. Aber auch das ist ein Anfang. Und auch das hilft dabei, die Perspektive in eine positivere Richtung zu wenden bis es irgendwann wieder viele andere Momente und Gründe für Dankbarkeit gibt.

Bei meiner abendlichen Dankbarkeitsliste nenne ich zum Beispiel manchmal leckeres Essen, das ich an dem Tag hatte, eine nette Unterhaltung mit einem Freund, einer Freundin, oder Kollegen, etwas, das mich zum Lachen gebracht hat, ein gutes Buch, das ich gerade lese oder eine gute Serie, die ich gerade ansehe und manchmal bin ich auch dankbar dafür, dass ich alle Punkte auf meiner To-Do-Liste für den Tag geschafft habe. Es muss nichts Großes sein. Alleine sich der kleinen Dinge bewusst zu machen, hat schon eine große Wirkung. Das habe ich am eigenen Körper erfahren und ich hoffe, euch geht es genau so!

Wofür seid ihr heute dankbar?

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