Frage des Tages: Was ist denn eigentlich eine Depression?

Seitdem ich angefangen habe immer öfter offen über meine Diagnose zu sprechen, sind mir zwei Dinge aufgefallen: Erstens, es sind viel mehr Menschen von Depressionen betroffen, als ich erwartet hätte und zweitens, diejenigen, die es nicht sind, wissen oft extrem wenig über die Krankheit. Klar, so eine grobe Vorstellung haben die meisten, aber dass es bei einer Depression um weitaus mehr geht als „traurig sein“ ist manchen nicht so ganz bewusst. Und irgendwie kann ich es verstehen, denn der öffentliche Diskurs darüber ist trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren immer noch relativ begrenzt. Man muss sich wirklich aktiv auf die Suche nach Antworten machen, wenn man Fragen über Depressionen hat. Ich habe beispielsweise auch erst im letzten Jahr angefangen, mich wirklich mit dieser Krankheit auseinander zu setzen. Aber zu verstehen, was sie ist, woher sie kommt und welche Symptome dazu gehören hat mir irgendwie dabei geholfen, meine Situation zu akzeptieren. Es hat das Ganze konkreter und greifbarer gemacht. Und ich konnte mich nochmal versichern, dass meine Emotionen und Beschwerden einen tatsächlichen Grund haben und nichts sind, das ich mir nur einbilde. Und genau dieses Verständnis, das mir geholfen hat, kann glaube ich auch dabei helfen, die Vorurteile anderer abzubauen. Je mehr Wissen wir verbreiten, desto mehr wirken wir dem Stigma von Depressionen und anderen mentalen Krankheiten entgegen. Und genau darum geht es doch in diesem Blog!

Da ich es eben für wichtig halte, die Wissenslücken über Depressionen zu schließen und ich hoffe, dass es für manche von euch vielleicht hilfreich sein könnte, wollte ich hier mal eine sehr kompakte (damit selbst die Lesefaulen unter euch sich nicht davor drücken können) Erklärung zu Depressionen geben – von Ursachen über die Symptome bis hin zur Behandlung.

Ursachen und Auslöser einer Depression

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, dass es nicht die eine Ursache für eine Depression gibt. Oft folgt sie zwar auf extreme Stress- und Belastungssituationen oder traumatische Erlebnisse, aber diese alleine führen noch nicht zu einer Depression. Und manchmal tritt sie auch einfach so auf, ohne einen bestimmten Moment, auf den sie sich zurückführen lässt. Das liegt daran, dass es noch drei weitere wichtige Faktoren gibt, die im Zusammenspiel das Risiko für eine depressive Episode deutlich erhöhen. Diese sind genetisch, neurologisch und psychosozial.

Mittlerweile weiß man, dass die genetische Veranlagung eine große Rolle spielt, wenn es um das Erkrankungsrisiko einer Depression geht: Der Einfluss der Gene zeigt sich in einer familiären Häufung. So haben beispielsweise Verwandte depressiver Patienten ein etwa drei- bis fünffach erhöhtes Risiko, selbst an einer Depression zu erkranken (Quelle).

Einen weiteren Faktor, der zur Entstehung einer Depression beiträgt, findet man direkt im menschlichen Gehirn. So viel zum Thema It’s all in your head. Ein Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe (oder fancy: Neurotransmitter), wie zum Beispiel Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, führt zu klassischen Depressionssymptomen wie Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit und starker Erschöpfung. Auch die Aktivität im Frontallappen und im limbischen System des Gehirns verändert sich bei einer Depression. Wer das nicht glaubt kann einfach mal „brain depression vs normal“ bei der Google Bildersuche eingeben oder sich hier ein Beispiel zweier PET Scans ansehen. Einer von einem gesunden Gehirn und einer von dem Gehirn eines Menschen mit Depression. Spätestens jetzt kann doch eigentlich niemand mehr mit dem Fake-Argument kommen, dass eine Depression keine richtige Krankheit sei, oder?

Und last but not least können sogenannte Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren ebenfalls zur Entstehung einer Depression beitragen. Ein ängstlicher Erziehungsstil der Eltern, ein von Kindheit an geringes Selbstwertgefühl, schlechte Stressbewältigungsstrategien oder traumatische Erlebnisse. Das sind nur ein paar Beispiele, die gegebenenfalls den Ausbruch einer Depression begünstigen. Ich denke ihr versteht, in welche Richtung das geht.

Symptome

  • Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Angst und Panik, emotionale Distanziertheit, Leere, Taubheit, Verzweiflung, Stress, Reizbarkeit
  • Schmerzen in der Brust, Kopfschmerzen, Bauch- und Magenschmerzen, Erschöpfung und Frustration
  • Verwirrung, Unsicherheit, Selbstzweifel, Selbsthass und Stimmungsschwankungen

Das sind die Symptome, die auf der Grafik zu erkennen sind und die, mit denen ich persönlich am stärksten zu kämpfen habe. Aber das ist noch längst nicht alles. Unter „other“ könnte man noch Antriebslosigkeit, Schlafstörungen, Albträume, Tinnitus, Schwindel, Flimmern vor den Augen, Sehstörungen, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und Heißhungerattacken, Schmerzen in den Beinen, eiskalte Füße und Hände, ein quasi non-existentes Immunsystem und in schlimmen Fällen sogar Suizidgedanken anbringen. Aber so viel Platz war dann einfach nicht auf dem Bild. Und das sind nur die Symptome, die ich spüre oder gespürt habe. Wie ich bereits in meinem vorherigen Post erwähnt habe, die Symptome einer Depression sind nicht universell und fühlen sich wahrscheinlich für jeden Menschen anders an. Manche Menschen leiden auch „nur“ unter chronischen Schmerzen, für die es auf den ersten Blick keine richtige medizinische Erklärung gibt. Auch Rückenschmerzen können beispielsweise durch eine Depression ausgelöst werden und gerade bei solchen Fällen ist es extrem schwierig die Krankheit richtig zu diagnostizieren.

Behandlung

So schlimm und schmerzhaft es auch ist unter einer Depression zu leiden, es gibt eine gute Nachricht: sie ist gut behandelbar!

Dafür gibt es zwei Haupt-Behandlungsmethoden: Psychotherapie und eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Während bei leichten und mittelschweren Depressionen meistens eine Psychotherapie schon ausreicht, um die Krankheit zu heilen, ist es bei mittelschweren bis schweren Depressionen oft üblich noch einen Psychiater zu Rate zu ziehen und die Krankheit zusätzlich mit Medikamenten, sogenannten Antidepressiva, zu behandeln. Wie ich bereits in einem vorherigen Beitrag erwähnt hatte: Bei meiner ersten leichten Depression brauchte ich zum Beispiel nur 10 Stunden bei einer Jugendtherapeutin, bis es mir wieder besser ging. Je leichter die Depression ausfällt, desto leichter ist sie zu behandeln und desto schneller ist die Heilung. Deshalb ist es auch wichtig, so bald wie möglich zum Arzt zu gehen und sich helfen zu lassen, denn je länger man wartet, desto hartnäckiger wird sie und desto länger dauert es auch, bis man sich wieder gesund fühlt.

Die medikamentöse Therapie wird dazu eingesetzt, gezielt den neurologischen Veränderungen im Gehirn, die ich weiter oben beschrieben habe, entgegen zu wirken. Außerdem ist es oft noch hilfreich gewisse Entspannungs- und Stressbewältigungstechniken zu erlernen, z.B. Meditation, Yoga, Atemübungen oder progressive Muskelentspannung. Kreative Hobbys, Bewegung an der frischen Luft und Sport sind ebenfalls hilfreich, aber über diese Selbsttherapie-Methoden schreibe ich demnächst in einem separaten Blogpost noch einmal ausführlicher.

Ich hoffe, ich konnte einige Fragen klären und freue mich über Feedback eurerseits!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s