Weshalb ich über mentale Gesundheit schreibe

Hätte man mir vor einem Jahr gesagt, dass ich heute diesen Blog schreibe, ich hätte es nicht geglaubt. Ich habe mich selbst eigentlich nie als ein Blogger-Mädchen gesehen, da ich anderen Menschen eher ungern von meinem Privatleben erzähle. Und trotzdem sitze ich jetzt hier, schreibe meinen allerersten Post, und erzähle euch von einem der persönlichsten Aspekte meines Lebens.

Die Idee für hi there, feelings! hat sich irgendwie aus einem meiner vielen Selbsttherapie-Versuche entwickelt. Ich war schon sehr lange auf der Suche nach einer Aktivität, die mich an schlechten Tagen davon abhält, mich in meine negativen Gedanken reinzusteigern und dadurch in eine Ab­wärts­spi­ra­le zu gelangen. Ich habe es mit Zeichnen, Malen, Ausmalen, Tagebuch schreiben, Yoga, Lesen, Spazieren gehen, Gitarre spielen, Netflix Binge-Watchen und vielen anderen Dingen versucht. Entweder konnte ich mich in diesen Situationen aber gar nicht erst dazu aufraffen, oder es hat meine Aufmerksamkeit nicht genügend gefesselt, so dass meine Gedanken trotzdem noch weiter Karussell gefahren sind. Bis ich eines Tages – in einer Woche, in der ich plötzlich wieder so erschöpft und so niedergeschlagen war, wie schon seit Monaten nicht mehr – angefangen habe darüber nachzudenken, wie eine Werbekampagne zum Thema Depression aussehen könnte (kleiner Hinweis an alle, die mich nicht kennen: ich arbeite Teilzeit in einer Werbeagentur, es ist also nicht so komisch wie es klingt).

Aus diesen Überlegungen erstanden die Ideen und Motive, die ich euch in den nächsten Posts vorstellen werde. Ich habe schnell gemerkt, wie gut mir dieses konstruktive und aktive Auseinandersetzen mit meiner Depression tut. Es hat mir sofort eine Menge an neuer Energie und neuem Sinn gegeben. Beides Dinge, die mir in diesem Moment extrem gefehlt haben. Ich habe eine Weile hin und her überlegt, was ich mit den Bildern machen soll. Ob ich sie vielleicht Organisationen oder bekannten Blogs, die sich öffentlich zu diesem Thema positionieren, zur Verfügung stelle. Aber irgendwie hat sich das nicht richtig angefühlt. Dafür ist das Ergebnis für mich doch zu persönlich. Langsam hat sich dann der Gedanke geformt, dass ich meinen eigenen Blog schreiben und meine Ideen darauf selbst veröffentlichen will. Und hier bin ich jetzt!

Das ist der erste, ehrlich gesagt ziemlich egoistische Grund für hi there, feelings!. Als einen Ort, meine Gedanken und Gefühle zu visualisieren und zu verarbeiten. Mittlerweile gibt es für mich aber auch ein weiteres, fast noch wichtigeres Ziel. Ich glaube, dass in Deutschland noch nicht genügend über mentale Gesundheit und Krankheiten wie Depression gesprochen wird. Ich merke, wie es mir oft unangenehm ist, meine Diagnose vor anderen zu erwähnen. Ich denke dann, dass sie mich dafür verurteilen, nicht mehr ernst nehmen oder sich sogar über mich lustig machen könnten. Auch die Wenigsten wissen zum Beispiel, dass ich regelmäßig zur Therapie gehe. Meistens sage ich einfach nur ganz vage ich hätte einen „Arzttermin“. Theoretisch weiß ich, dass es nichts ist, wofür ich mich schämen müsste. Aber praktisch sieht die Realität dann doch anders aus. Und warum ist das so? Weil diese Krankheit immer noch negativ konnotiert ist. Natürlich gibt es immer wieder Aufklärungsversuche und auch immer mehr Menschen, die öffentlich über ihre Diagnose sprechen. Aber alles in allem ist die grundsätzliche gesellschaftliche Akzeptanz noch zu niedrig. Und solange nicht so oft wie möglich von so vielen wie möglich darüber gesprochen wird, wird sich das wahrscheinlich auch nicht ändern. Denn Akzeptanz setzt zum einen Wissen und zum anderen einen bestimmten Grad an „Normalität“ voraus. An beiden Aspekten mangelt es aber noch. Deshalb mache ich hier für mich persönlich den ersten Schritt in die richtige Richtung, denn es belastet mich in meinem Alltag schon oft, zu verheimlichen, wie es wirklich in mir aussieht. Und es ist vielleicht ein Klischee, aber es ist nunmal so, dass es leichter ist etwas online zu sagen als im echten Leben. Aber irgendwo muss man ja anfangen… Baby steps!

Vielleicht geht es einigen von euch ja ähnlich, oder vielleicht auch komplett anders. Aber wie dem auch sei, ich bin gespannt darauf, was ihr von meinem Vorhaben haltet und freue mich über jegliche Art von Feedback! Bis bald 🙂

2 Comments

  1. Monika Lehmann

    Liebe Tabea, ich finde es großartig… Ein nicht einfacher Schritt und auf der anderen Seite ein sehr einfacher Schritt, wenn man sich ganz sicher ist. Sich zu öffnen und darüber in Kontakt gehen um ein Kontaktpunkt zu der Welt zu bekommen finde ich mutig, bewegend und sehr hilfreich… ich umarme dich und wünsche dir viel Freunde beim Schreiben… herzlichst Monika

    Liken

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